Was spricht für die Wahl von Latein als zweite Fremdsprache?

  • Latein hilft Fremdwörter verstehen

Obwohl die lateinische Sprache heute nicht mehr im eigentlichen Sinn „gesprochen“ wird, ist sie deswegen noch keine „tote“ Sprache. Sie lebt in vielfacher Form in den modernen Sprachen weiter. Dies zeigen die zahllosen lateinischen Fremdwörter nicht nur im Deutschen, sondern auch in den übrigen europäischen Sprachen. Wer Latein in der Schule gelernt hat, kann die Begriffe internationaler Fachsprachen verstehen und erklären, sich erschließen und auch selbst verwenden. Dazu begegnen uns täglich in Zeitung, Radio und Fernsehen eine Fülle von Ausdrü­cken, deren Wurzeln auf lateinischen Ursprung zurückgehen. Zur Veranschaulichung einige Beispiele aus verschiedenen Bereichen: Computer, Monitor, Fraktur, Tumor, Infarkt, Jurist, Advokat, Notariat, Inflation, Kredit, Kapital, Bilanz, Sozialstaat, Nation, Radikalismus, Demonstration, Intelligenz. Lateinkenntnisse bieten also eine nützliche Grundlage für das Erlernen von Fachterminologien, wie sie in vielen Berufen wichtig sind, sind dabei aber auch Bestandteil einer gehobenen Allgemeinbildung, die eine Orientierung in der komplizierten Welt von heute erleichtert.

  • Latein erleichtert das Erlernen anderer Sprachen

Latein ist bekanntlich die „Mutter“ der sog. romanischen Sprachen, also des Italienischen, Französischen, Spanischen, Portu­giesischen und Rumänischen. Die Kenntnis des Lateinischen erleichtert das Erlernen dieser Sprachen – auch im Selbststudium – ganz wesentlich. Auch ca. 54% des gehobenen Wortschatzes des Englischen geht auf lateinische Wurzeln zurück und die slawischen Sprachen wie Russisch, Polnisch oder Tschechisch ent­nehmen einen großen Teil ihres Kulturwortschatzes und des wissenschaftlichen Fachvokabulars dem Lateinischen. Ein Bei­spiel für die enge Verwandtschaft all dieser Sprachen mit dem Lateinischen: lat. studere, frz. etudier, ital. studiare, span. estu­diar, portug. estudar, dt. studieren, engl. study, schwed. stu­dera, holländ. studeren, dän. studere, tschech. studovat, poln. studiowac, estn.(s)tudeerima.
In den modernen Lehrbüchern wird auf der Basis moderner Lernpsychologie immer wieder „europäische Wortschatzarbeit“ geleistet, d.h. es werden englische und romanische Ableitungen bei verschiedenen Übungsformen miteinbezogen, wodurch die Bezüge zwischen den Sprachen deutlich werden und auch die passive Sprachbeherrschung der modernen Sprachen unterstützt wird.

  • Latein schult das muttersprachliche Ausdrucksvermögen

Im Vordergrund des Lateinunterrichts steht, anders als in mo­dernen Fremdsprachen, nicht das Hören und Sprechen, sondern das Lesen und Übersetzen. Durch den ständigen, ausdrücklichen Vergleich von lateinischen mit deutschen Texten wird das Ver­ständnis auch für die deutsche Grammatik gefördert und der Schüler erkennt, wie Sprache „funktioniert“. Dies verbessert wiederum die gewandte Verwendung der Muttersprache. Die Fähigkeit, Gedanken sprachlich richtig und präzise zu formulieren, ist heute in jedem Beruf unverzichtbar und wird als grundlegende Schlüsselqualifikation bezeichnet.

  • Latein erzieht zu methodischem Arbeiten

Die besondere Logik und Klarheit des Lateinischen erzieht den Schüler zu genauem Hinsehen und zu beständigem und sorgfältigem, konzentriertem Arbeiten. Dies führt zu geistiger Ordnung und schärft die Fähigkeit zu Analyse und zum Denken in Zusammenhängen. Dies sind Fähigkeiten, die in einem altersgemäßen Rahmen erlernt und eingeübt werden und auch auf andere Fächer übertragbar sind. Für ein späteres Universitätsstudium sind sie unverzichtbar.
Darüber hinaus werden auch im Fach Latein neben dem bewährten traditionellen Unterricht in neuen Unterrichtsformen wie „Lernen durch Lehren“, Freiarbeit oder durch den Einsatz des Computers in besonderer Weise Schüleraktivität bzw. eigenständiges Arbeiten gefördert.

  • Latein ist der Schlüssel zur europäischen Kultur

Das Lateinische und mit ihm die römische und griechische Kultur bilden die geistigen und kulturellen Grundlagen Europas. Während der Lektürearbeit lernt der Schüler nicht nur Zentraltexte der lateinischen Literatur kennen, die das literarische und kulturelle Leben Europas bis in unsere Gegenwart entscheidend mitgeprägt haben, sondern erfährt auch durch die eingehende Beschäftigung mit Rezeptions- und Wirkungsgeschichte dieser „Grundtexte Europas“ an konkreten Beispielen, welchen Weg die gemeinsame geistige Entwicklung Europas genommen hat. Dies erweitert seinen persönlichen Horizont und auf Reisen durch europäische Länder wird er in Museen und an kulturellen Denk­mälern den heute noch spürbaren Einfluss der römischen Kultur besser erkennen und verstehen können.

  • Latein leistet einen Beitrag zur Werteerziehung

Die im Lateinunterricht gelesenen Texte antiker Literatur führen den jungen Menschen zu immer wieder gestellten Fragen des menschlichen Lebens:
Was ist Glück? Was bedeutet es, ein guter Freund zu sein? Worin bestehen Wesen und Aufgabe des Staates? Wie entstehen soziale Spannungen? Was heißt es, Verantwortung zu übernehmen? Durch die Auseinander­setzung mit diesen und anderen mensch­lichen Grundfragen schärft der Heranwachsende seine eigene Urteilsfähigkeit - in einer Zeit der Orientierungslosigkeit, des Werteverlustes und der Politikverdrossenheit eine wertvolle Hilfe für den Jugendlichen, der später in Beruf und Gesellschaft Ver­antwortung übernehmen soll.

  • Latein ist Voraussetzung für viele Studiengänge

Für eine ganze Reihe von Studiengängen sind Lateinkenntnisse, meist in Form des „Latinums“, nach wie vor eine Voraussetzung für den Universitätsabschluss. Das Latinum ist eine bundesein­heitlich anerkannte Qualifikation, die der Schüler nach fünf Jah­ren aufsteigendem Lateinunterricht ohne Zusatzprüfung erhält, wenn er im Jahreszeugnis mindestens die Note „ausreichend“ vorweisen kann. Die Erfahrung lehrt, dass der Erwerb des Lati­nums auf anderen Wegen, etwa durch zusätzliche Kurse an der Universität, mit größerer Mühe verbunden ist und zusätzliche Zeitopfer verlangt.

 

Weitere interessante Informationen finden Sie unter http://www.altesprachen.de/latein

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