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830 Meter bis zum Tod

Das Sonderkommando Auschwitz/Birkenau

 

 

Am 17.Januar 2012 war der Historiker Dr. Gideon Greif im Gymnasium Raubling zu Gast und referierte in einem zweistündigen Vortrag vor der neunten Jahrgangsstufe über das „Sonderkommando Auschwitz/Birkenau“.

 

Dem Referenten, Dr. Gideon Greif,  ist es hervorragend gelungen, uns Schüler über dieses eher unangenehme Thema, mit dem sich jedoch jeder auseinander zu setzen hat, zu informieren und das Interesse zu wecken. Er, als „Stimme der Toten“, vermittelte uns am Beispiel des Vernichtungslagers Auschwitz/Birkenau, welch großes Verbrechen die Deutschen dort begangen haben. Auf 40km² wurden damals circa zehn- bis 20-tausend Juden täglich vergast. Mithilfe von Bildern begleiteten wir die völlig ahnungslosen Sterbenden auf ihren letzten 830 Metern bis zum Tod. 

Nachdem die Juden bis zu eine Woche lang mit einem Güterzug nach Auschwitz gebracht worden waren, wurden sie einem NS-Arzt vorgeführt. Dieser traf binnen weniger Sekunden die Entscheidung über Leben oder Tod, ohne dass die Verurteilten etwas davon mitbekamen. Bei der Selektion (lat. seligere = auswählen) wurde auf den Beruf geachtet, wobei Menschen mit theoretischen Berufen keine Chancen hatten. 75% der Juden wurden in den Tod geschickt, die anderen arbeiteten als Sklaven in der Todesfabrik.

Der nächste Schritt zum Tod war der Gang in die Entkleidungshalle. Dort sollten sich die Sterbenden unter Aufsicht der Mitarbeiter ausziehen, um „sich als nächstes zu duschen und zu desinfizieren“. Nachdem sie also ihr ganzes Hab und Gut in der Entkleidungshalle zurückgelassen hatten, wurden sie in einen Gang geschickt, in dem sie eigentlich auf eine frei werdende Dusche warten sollten. Jedoch war dieser Raum die Gaskammer, in die das Schädlingsbekämpfungsmittel Zyklon B eingelassen wurde. Doch selbst nach diesem qualvollen Tod war es mit der Erniedrigung jedes Einzelnen noch nicht zu Ende. Schließlich wurden allen noch die Goldzähne herausgeholt und den Frauen die Haare zur weiteren Verwertung abgeschnitten. Erst dann wurden, um die ganze Aktion zu vertuschen, die Leichen verbrannt und deren Asche in den Fluss geworfen.

Doch wie verbrachten die Häftlinge im Großen und Ganzen den Rest ihres Lebens? Auch diese wurden auf unmenschliche Weise erniedrigt. Besitz war nicht erlaubt, Frauen verrichteten dieselbe Arbeit wie Männer, es gab Arbeitsschichten von 12 Stunden. Auch Korruption spielte insofern eine Rolle, als dass Kommandanten des Öfteren „ein kleines Geschenk fürs Wochenende“ beanspruchten, obwohl dies natürlich verboten war. Auch die Mitarbeiter wurden letztendlich umgebracht, nur wenige konnten fliehen. Bleibt die Frage: Warum haben die Mitarbeiter die Juden einfach nicht gewarnt? Das lässt sich allerdings mit einer weiteren Frage wieder beantworten: Warum sollten die Juden auch noch in den letzten paar Stunden ihres Lebens panische Todesangst bekommen? Das würde sie auch nicht mehr retten.

Zusammenfassend kann man also sagen: In einem Vernichtungslager wie Auschwitz/Birkenau wird getötet, erniedrigt, versklavt und beraubt.

Trotz etwas Vorwissen sprengte das Gehörte in jeder Hinsicht unsere Vorstellungskraft im Hinblick auf das, zu was Menschen fähig sein können.

Wir danken Herrn Dr. Gideon Greif für seinen informativen Vortrag, der uns einen interessanten Einblick in die Todesfabrik Auschwitz/Birkenau bzw. die 830 Meter bis zum Tod gegeben und unser Interesse im Hinblick auf die Fahrt zur Gedenkstätte Dachau geweckt hat.

 

Franziska Bebba, Barbara Herpe, 9c