|
Hinduismus
Der Hinduismus ist nach dem Islam und dem Christentum die dritte große Weltreligion. Der Begriff Hinduismus vereint verschiedenste und unterschiedlichste religiöse Gruppierungen und Religionsformen (alle Religionen Indiens) die sich nicht ausdrücklich als nichthinduistisch verstehen. Der Hinduismus selbst versteht sich als Religion ohne Anfang und ohne Ende (als ewige Religion und Ordnung). Religionsgeschichte - bis ca. 1500 v. Chr. : die vorarische Periode Der Hinduismus beginnt ca. 2600 v. Chr. Und ist die Religion der indischen Ureinwohner, welche ihre Religion als uralt und ewig während bezeichnen. Diese neuentstehende Religion wurde im 22 Jahrhundert v. Chr. Durch die einströmende Volksgruppe der Arier (halbnomadische Völkerschaften aus dem Westen und Nordwesten) noch verändert. -1500 – 700 v. Chr. : die vedische Periode Die Religion der Arier war eine monotheistische, welche sich aber später dem polyatheistischen Glauben der Hindus anschloss. Das bedeutete, dass im Zentrum des Kultes das Opfer an die Götter stand. Zur Vollziehung der „magischen“ Opfergabe benötigte man Priester, welche sofort eine Kaste gründeten, um sich vom „normalen“ Volk abzusetzen. Die Spätphase der vedischen Religion wird auch als Brahmanismus bezeichnet. In dieser Phase wurde unter anderem die Lehre der Wiedergeburt entfaltet – Konzepte, die über den Vedismus hinausreichen. -700 – 400 v. Chr. Die Religion veränderte sich nicht, allerdings stritt sich das Volk mit den Priestern aufgrund des neuen Kastensystems. - 400 v. Chr. – 200 n. Chr. Aus dem polyatheistischem Glaube wird der Glaube an einen persönlichen Gott(Vasudeva-Kult). - 200 – 1200 n. Chr.
Der Hinduismus breitet sich nach Südostasien und Indonesien aus. Außerdem lebte der Philosoph, nach dem die Yoga-Philosophie benannt ist.
800 – 1600 n. Chr. : die muslimische Periode In Indien gab es große soziale Probleme durch Spannungen zwischen den Kasten und dem einströmenden Islam. Es gab sogar versuche, beide Religionen komplett zu verbinden, welche aber fehlschlugen. Außerdem wird Kritik an der Witwenverbrennung, der Kinder-Heirat und der Bilderverehrung geübt. - Von 1760 bis heute Während der Besatzung der Briten gibt es im Hinduismus monotheistische Züge der christlichen Religion. Swami Vivekanada gründet hinduistische Gemeinschaften außerhalb Indiens (in den USA und in Großbritannien.
Das religiöse
Leben In Indien bestimmt die Religion oftmals das Leben, soziale Bezüge oder den Alltag der Menschen. Sie zeigen ihre Religiosität in den Riten Pujas (Verehrung, Zeremonie, Gottesdienst). Ein Großteil der Bevölkerung lebt in den kleineren Traditionen. Typisch für diese kleineren Religionen ist eine gewisse Kosmosfrömmigkeit: unter anderem die Natur wird in das religiöse Leben einbezogen, Göttliches und Menschliches wird vermischt. Überall gibt es etwas Göttliches. Berge, Bäume, Flüsse, das Meer, Blumen oder andere Dinge können zu wichtigen religiösen Symbolen werden. Die Kosmosfrömmigkeit folgt einer spirituellen Logik, bei der es den Austausch von spirituellen Kräften geben kann. Dies geschieht entweder durch die Präsenz, wirkungsvoller aber durch Berührung. Durch religiöse Handlungen kann ein Hindu ein religiöses Verdienst (Punya) erwerben. Am einfachsten ist dieses Ziel durch eine Pilgerfahrt (Yatra) zu erreichen. Ein Pilgerort heißt Thirta. Einige Pilgerrouten verbinden die heiligen Stätten der einzelnen Kulte miteinander und ziehen sich durch ganz Indien. Oft unternehmen Hindus Pilgerfahrten durch ganz Indien mit dem Zug, was bis zu 10 Wochen dauern kann. Heilige Schriften Im Hinduismus teilt man die Schriften in zwei Gruppen: Shruti (das Hören, das Gehörte) und Smitri (Erinnerung). 1.Shruti Bezeichnet das Gehörte und Erschaute der Weisen der Vorzeit in der Versenkung. Somit steht es für das ewige, unwandelbare Wissen, die göttliche Offenbarung. Hierzu gehört auch der Veda. Er besteht aus vier Sammlungen von Hymnen, Sprüchen, Gebeten und Zauberformeln. Einzelne Verse heißen Mantra. Später wurde dieser Name allgemein für heilige Silben und symbolträchtige Lautfolgen benutzt. Der älteste der vier Veden ist der Rig-Veda, die Sammlung der Götterhymnen. Er enthält 1028 Preislieder an die Götter. Der Sama-Veda versammelt Opfergesänge, der Ayurveda Opfersprüche und der Atharva-Veda Zaubersprüche und Texte mit philosophischem Inhalt. Ein Gläubiger beruft sich auf die Veden, wobei formelle Anerkennung meist genügt. Die wichtige Funktion des Veda erkennt man auch daran, dass wichtige Texte, die man hervorheben möchte, oft als fünftes Veda bezeichnet werden. 2. Smitri Bezeichnet die alte, heilige Überlieferung, die auf inspirierte Heilige und Dichter zurückgeführt wird. Hierzu gehören unter anderem Rechtstexte und Epen. Die wichtigsten Textgattungen heißen Sutra, Shastra (Lehrtext) und Bashya (Kommentar). Das Ramayana und das Mahabharata sind die beiden großen Nationalepen Indiens. Sie wurden mündlich überliefert, und sind heute nicht zuletzt Vorlagen für Filme Fernsehserien oder Comics. Die Puranas (alte Erzählungen) präsentieren die Religion. Sie handeln von Göttern und deren Beziehungen untereinander. Sie bilden als eine Art Lexikon die wichtigste Quelle für indische Mythologie und Ikonographie. Gott und Götter Im Hinduismus gibt es unüberschaubar viele Gottheiten, Geister und Dämonen. Trotzdem ist die Bezeichnung als Polytheismus nicht immer richtig, da die „gewählte Gottheit“ (Ishtadevata) der jeweiligen religiösen Richtung oder des einzelnen Hindu die anderen göttlichen Wesen in sich aufnimmt und als eine Gottheit verehrt werden kann. Der Rig-Veda kennt 33 Götter, eine Zahl, die im Laufe der Religionsentwicklung auf 33.000, 330.000 und 33.000.000 (also unendlich viele)erweitert wurde. Allerdings gab es auch die Meinung, Dass all diese Götter nur den einen, großen Gott darstellen. Zudem verloren auftauchende Götter wieder an Bedeutung, während andere in den Vordergrund traten. Darüber hinaus gab es immer wieder Versuche, Zusammenhänge herauszufinden und Klassifizierungen vorzunehmen. Die wichtigsten Götter des Vedismus sind Agni, der Gott des Feuers und des Opfers, Indra, der Himmels- und Kriegsgott, sowie Varun, der Erhalter der kosmischen Ordnung.
Bilder:
Robin Frieß, 2003 Quellen:
|